Von Zwei zu Vier Rädern

Ein unerwartetes Update, besser spät als nie.
Gerade sind wir ungeplant wieder in Deutschland und das kam so:
Am Donnerstag (24.7.25) fuhren wir eine sehr schöne Strecke über eine Gebirgskette in der Nähe von Stavanger in Norwegen. Die Nacht zuvor waren wir von einem Schlafplatz verscheucht worden und waren um so glücklicher über die Aussicht. Wir fuhren fast den ganzen Tag, wobei mir immer mal wieder ein merkwürdiges Geräusch an meinem Motorrad auffiel. Was Geräusche angeht bin ich recht empfindlich, warte deshalb immer eine Weile, um sicher zu sein, dass ich mir die Geräusche nicht nur einbilde. Zwischenzeitlich regnete es so heftig, dass ich mich aufs Fahren konzentrieren musste. Als es abends wieder trocken wurde und wir anfingen, einen Schlafplatz zu suchen, ließ sich das Geräusch jedoch nicht mehr ignorieren, klang mein Motorrad doch mittlerweile eher wie ein alter Zug. Auf meine Bitte hin blieb Fynn stehen und ich fuhr vorsichtig an ihm vorbei… was soll ich sagen. Es ist kein gutes Zeichen wenn dein Freund trotz laufendem Motor, Gehörschutz und Helm hören kann, dass dein eigenes Motorrad komisch klingt. Also absteigen und schauen ob etwas auffällt. Und siehe da: Schit, sie verliert Öl auf Höhe des Getriebes. Nicht gut. Da es mittlerweile etwa 8 Uhr abends war konnten wir akkut eh nichts ändern, also erstmal einen Schlafplatz finden. Um das Motorrad zu schonen, nahmen wir den erst besten Platz den wir fanden. Normalerweise halten wir uns von Parkplätzen mit vielen Vans eher fern, doch dieses Mal waren wir froh, schnell anhalten und nach dem Motorrad schauen zu können. Schnell war klar, wir müssen zu einer Werkstatt.

Am nächsten Morgen fuhren wir also etwa 30 km zur nächsten Werkstatt. Während das Geräusch immer lauter wurde, machte ich mir immer mehr Sorgen um meine Prinzessin. Nach einer Probefahrt durch einen Mechaniker stieg er mit grimiger Mine ab und versuchte mit irgendwelchen englischen Fachbegriffen zu erklären, was das Problem sei. Da ich nur Bahnhof verstand holte ich Fynn dazu. Und da kam er, der Schlag in die Fresse… ich verstand nicht viel von der Unterhaltung zwischen den beiden, nur so viel: Mein Motorrad war nicht mehr fahrbereit. Der Kommentar „Das Motorrad fährt nirgendwo mehr hin!“ war eindeutig. Mir schossen die Tränen in die Augen. Sollte das alles hier vorbei sein? Mein Traum vom Reisen hier abrupt enden? Und was wird aus meinem geliebten Motorrad? Man sieht doch gar nichts, wie kann sie dann so schwer verletzt sein, dass wir nicht weiter fahren können? Tausend Fragen schossen mir gleichzeitig durch den Kopf. Ich musste raus.
Einige Minuten später kam Fynn nach, nahm mich in den Arm und erklärte mir auf deutsch, was das Problem ist.
Tja, Getriebeschaden ist eine echt beschissene Diagnose auf einer großen Reise. Nach einigem hin und her und Abwegen sämtlicher Möglichkeiten stand zwei Tage später fest: Wir fahren nach Hause und werden irgendwie mit einem Auto weiter reisen. Jetzt blieb nur die Frage, wie wir das Motorrad nach Hause bekommen. Nach 4 Tagen Hin und Her mit dem ADAC hatten wir einen Plan:
1 Mich mitsamt Gepäck irgendwie zur Werkstatt bringen.
2 Mich und das Motorrad die 10km zur Fähre bringen lassen. Zum Glück konnte ich den Vater eines der Mechaniker dazu überreden…
3 Irgendwie das Motorrad auf die Fähre schieben.
4 Mit der Fähre von Stavanger nach Hirshals fahren.
5 In Hirshals von der Fähre runter und mit einem hilfsbereiten Freund aus Hamburg und seinem Anhänger mein Motorrad nach Hause fahren.
Ich kann euch gar nicht sagen, wie aufgeregt ich war. Etwa 25 Stunden dauerte der Heimweg, aber mit netten Menschen, wenig Schlaf, aber guter Musik schaffte ich es doch samt Motorrad nach Hause.
Währenddessen fuhr Fynn innerhalb eines Tages die gesamte Strecke mit dem Motorrad zurück. Eine Challenge, die er sich selbst gesetzt hatte.

Zu Hause ging das Chaos weiter, ein reisefähiges Auto musste her. Von Freunden und Familie hätten wir 2 alte Autos kostenlos bekommen können, es stellte sich aber schnell heraus, dass das so nichts wird. Einer der größten Stresspunkte auf der Motorrad Tour, war für uns die Schlafsituation. Zwar gibt es in Skandinavien das jedermanns Recht, doch irgendwie lief es oft auf zwei Stunden Suchen hinaus bis wir etwas fanden. Dazu kam das Auf- und Abbauen vom Zelt bei schlechtem Wetter – auch kein Vergnügen – und in Norwegen mit viel Felsen auch echter Mist.
Kurz gesagt: Wir wollten im Auto schlafen. Und so stand bald fest, ein T4 sollte es werden. Nachdem wir uns erst einen mit Hochdach und dubioser Geschichte angeschaut und uns dagegen entschieden hatten, ergab sich aus Zufall eine Gelegenheit keine 10 min von Zuhause. Und, was soll ich sagen, ich schreibe gerade aus eben diesem T4. „Momo“ hat kein Hochdach, das ist aber auch schon alles, worüber man meckern könnte. Schon fertig als Camper ausgebaut, von uns nur noch ein bisschen angepasst. Kein Rost, nur etwa 170.000 km gelaufen, gut gepflegt, als Saison Fahrzeug gefahren, und sonst in einer Fahrzeughalle (nein keine nasse Scheune, eine richtige Halle) gelagert, ist Momo mit ihren knapp 26 Jahren ein absoluter Glücksfall. Dazu kommt, dass wir sie für 3.500 Euro bekamen, denn sie sprang zunächst nicht an. Das Problem ließ sich aber recht einfach beheben. Jetzt läuft sie zuverlässig, wenn auch nicht schnell, und ist unser kleines, aber feines neues mobiles Zuhause. Mit etwa einem Monat Verspätung geht es jetzt Richtung Atlantikküste.
Ach ja, auf das Geld vom ADAC warten wir übrigens immer noch…